Frag zehn Selbstständige am Freitagabend, was sie diese Woche geschafft haben. Sieben zucken mit den Schultern. Drei zählen Kalendereinträge. Einer zählt Prozesse, die ohnehin laufen.
Erik Lorenscheit kennt beide Seiten. Er hat mit seiner Frau die Holzspielzeug-Marke Kletterling aufgebaut, auf 4,5 Millionen Euro Umsatz gebracht und letztes Jahr verkauft. Jahrelang arbeitete er dafür 16 Stunden am Tag.
Tagsüber Kundengespräche, Problemfälle, Lager. Nachts die Finanzen und die Planung, weil sonst keine Zeit blieb. Dazu ein Kind, gerade ein Jahr alt bei der Gründung. Das Geschäft wuchs schneller, als die Prozesse mitkamen.
Am ersten Tag online kamen sieben Verkäufe. Später ein Lager in Frankfurt für knapp 50.000 Euro im Monat. Alles per Hand gebaut, während der Markt kippte. Zum Start gab es vier Anbieter für Kletterdreiecke. Heute sind es 30 bis 40, viele aus China.
Wer im Tagesgeschäft feststeckt, kommt nie zum Bauen. Er kämpft nur gegen das, was gerade brennt.
Erik zog die Konsequenz. Erst der Verkauf, dann das Auswandern mit Frau, Kind und Hund. Am Gate durfte der Rollstuhl nicht mit, der Akku war zu groß. Er kam ohne Rollstuhl auf Mauritius an und organisierte vor Ort einen neuen. Sein Learning in zwei Worten: einfach machen.
Heute baut er Agenten für andere Unternehmer. Jedes Erstgespräch startet er mit einer einzigen Frage. Was ist die eine Aufgabe, die du jeden Tag wiederholst und die wir automatisieren können? Die häufigste Antwort sind E-Mails. Danach die Planung von Social-Media-Beiträgen.
Ein Agent füllt die Lücken, die du selbst nicht besetzen kannst. Deine Mitarbeiter ersetzt er nicht.
Erik nennt sich schwach im Marketing und im Grafischen. Also hat er sich digitale Mitarbeiter gebaut, die genau das übernehmen. Sein Tag beginnt mit der Familie, weil die ersten Aufgaben über Nacht schon laufen. Er wacht auf und sieht das Ergebnis.
Die eigentliche Angst sitzt woanders. Viele wollen sich nicht outen, dass ein Agent mitschreibt. Eriks Antwort darauf ist klar. Gib dem Agenten Zugriff auf alles, was du je geschrieben hast, und definiere harte No-Gos. Dann klingt er wie du.
Der Agent lernt mit. Jedes Mal, wenn er sein Wissen neu strukturiert, wird er ein Stück schlauer.
Genau da wird aus einem Solopreneur ein Team. Du arbeitest mit Helfern, die für wenig Geld die Aufgaben übernehmen, die dich blockieren. Das Wort Solopreneur passt dann nicht mehr.
Was ist deine eine Aufgabe, die dich jeden Tag Energie kostet und dich trotzdem nicht weiterbringt? Schreib sie auf. In 20 Minuten sortieren wir gemeinsam, welchen Prozess du als Erstes vom Tisch bekommst.
